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EINE WELT - ODER WAS?
Gleich eine ganze Kursreihe zur weltweiten Minenproblematik
und den Fortschritten auf dem Weg zur Lösung hatten die
Oberstufentage der Waldorfschule in Würzburg auf dem
Programm.
Die Schüler der Freien Waldorfschule in Würzburg
organisieren jedes Jahr die OBST-Tage. Das hat nichts mit
Äpfeln und Birnen zu tun sondern ist die Abkürzung
von "Oberstufentage". Interessante Themen werden
diskutiert und ausgewählt, ein abwechlungsreiches Kursprogramm
mit theoretischen und praktischen Anteilen wird zusammengestellt.
Jeder der Oberstufenschüler belegt dann zwei Kurse seiner
Wahl. Am Ende der Woche werden die Themen und Ergebnisse der
Kurse in einer Abschlußveranstaltung den Eltern, Lehrern
und Schülern präsentiert.
Das Motto der diesjährigen Kurs-und Veranstaltungsreihe
war: EINE WELT. Aus dem Kursangebot ließ sich der Schwerpunkt
Afrika erkennen: es gab u.a.einen Malkurs mit dem Titel: Geheimnisvolles
Afrika, ein Trommel- und Percussionsworkshop, in dem auch
afrikanische Grooves eine über das ganze Schulgelände
hörbare Rolle spielten.
Interessanter Stoff
Die mit großem Abstand am meisten von den Schülern
besuchte Kursreihe war die zum Thema SCHULWEGE OHNE MINEN.
Hier wurden die weltweite Landminenproblematik und die humanitären
Minenräumprojekte von MgM in den ehemaligen Bürgerkriegsländern
Afrikas in Vorträgen, Bilderserien und Filmen vorgestellt.
Politische, soziale und ökonomische Zusammenhänge
wurden dabei deutlich und greifbar.
Die Geschichte Afrikas war fast 500 Jahre lang von Sklaverei,
kolonialer Unterdrückung und Ausbeutung geprägt.
Wie aus Befreiungskriegen gegen die Kolonialherrschaft in
den 70er und 80er Jahren erst Bürgerkriege, dann schnell
Stellvertreterkriege der Weltmächte wurden, alles das
war neu für die Schüler und führte zu lebhaften
Diskussionen.
Eine Welt, aber unterschiedliche Lebenswelten
Ein Bildbericht aus der Gegenwart über den Schulweg
der Kinder von Chiede in Angola machte die Probleme eines
Landes am Ende eines fast 30-jährigen Bürgerkriegs
deutlich: Bevor nicht alle Minen und gefährlichen Kampfmittel
geräumt und unschädlich gemacht werden, kann es
keine friedliche Zukunft für die Jugend Afrikas geben.
Auch der Zusammenhang von Bildung und Minenräumung wurde
am persönlichen Schicksal von Jugendlichen in Angola
für die Würzburger Schüler jetzt nachvollziehbar.
Der Reisebericht vom Besuch einer Schule im minenverseuchten
Ex-Rebellengebiet zeigte eindringlich, wie dringend die Jugendlichen
in Afrika unsere Unterstützung benötigen.
Was alle verbindet
Eins wurde genauso offensichtlich: es gibt viele Gemeinsamkeiten,
wenn man die Lebenswelten und Wünsche der Jugendlichen
in Afrika und in Europa vergleicht. Musik ist DIE universale
Sprache. Auf der ganzen Welt hören die Kids die gleichen
Hits, egal ob Rock, Reggae oder HipHop.
Sport besonders Fußball - hat auch im abgelegenen
Hinterland Angolas einen hohen Stellenwert, alle Jungen kennen
Ronaldo. Auch wenn es oft nur eine einzige Glotze im Dorf
gibt, das Fernsehen überträgt die großen internationalen
Ereignisse. Und schmalzige brasilianische Soap Operas sind
sehr beliebt, wie bei uns vor allem bei den Mädchen.
Der große Unterschied zum Schüleralltag in Europa:
Der Schulweg der Schüler von Chiede führte fast
drei Jahre lang durch ein Minenfeld. Bis ein MgM-Minenräumteam
die Straßen und Wege rund um die Stadt geräumt
und die tödlichen Minen vernichtet hat.
Wie funktioniert das eigentlich?
Die Schüler in Würzburg zeigten starkes Interesse
an den technischen Aspekten der riskanten Minenräumarbeit.
Dass trotz aller Forschungsanstrengungen der Metalldetektor
bis heute neben den Sprengstoffspürhunden
das am weitesten verbreitete Werkzeug zum Auffinden von Minen
ist, fanden die Schüler mit Recht erstaunlich.
In den Medien wird immer wieder von erfolgversprechenden Forschungsprojekten
berichtet. Danach sollen in Zukunft Bienen, Ratten, ja fluoriszierende
Bakterien oder sogar genveränderte Pflanzen auf die Suche
nach den gefährlichen "Hidden Killers" gehen!
Allerdings stellt sich dann bei genauerem Nachfragen heraus:
Zukunftsmusik. Keine dieser Lösungsansätze hat es
bis heute in die alltägliche Praxis der humanitären
Minenräumer geschafft. Noch viele Jahre Forschung werden
wohl nötig sein, um eine bessere Detektionstechnologie
zu entwickeln, viele gute Ideen sind gefragt.
Wie so ein Metalldetektor im Prinzip funktioniert, dazu wurde
ein Versuchsaufbau aus dem Physik-Baukasten der Schule aufgebaut.
Ein offensichtlich spezialbegabter Schüler die
Physikleuchte der Klasse und potentieller zukünftiger
Nobelpreisträger konnte die Komponenten und die
Funktion glasklar erklären und vorführen.
Die Schüler diskutierten danach lebhaft Vorschläge
zur Verbesserung der Minenräumtechnik. Einer dieser Vorschläge
wurde inzwischen an den MgM-Technik-Direktor nach Afrika weitergeleitet.
Minenräumer für einen Nachmittag
Dann wurden Minen geräumt. Dazu war die Sandgrube auf
dem Schulsportplatz vermint und abgesperrt worden. (Natürlich
nicht mit echten Minen, nur Dummies, ist doch klar!) Aber
der Detektor, die Schutzkleidung und die Warnschilder
alles war original MgM-Minenräumerausrüstung. Was
ebenso realistisch war, war der hohe Anteil an Metallschrott,
der dann auch für jede Menge falsche Alarme sorgte. Neben
Minen(-Dummies) orteten die Schüler Katzenfutterdosen,
Matchbox-Autos, Schrauben und Federn. Und beim Sportunterricht
verlorene Münzen!
Suche nach Plan
Es wurde schnell klar, dass man bei der Minensuche sehr systematisch
vorgehen muss, um keine Mine zu übersehen. Und dass jedes
Metall-Teil mit der gleichen Sorgfalt ausgegraben werden muss,
als sei es eine Mine. Man kann nie wissen
Einige Schülerinnen
hatten schon von Vera Bohle gehört, Deutschlands einzige
Minenräumerin. Jetzt verstanden diejenigen Schüler,
die die mutige und engagierte junge Frau im Fernsehen erlebt
hatten, was sie mit der Kraft der Konzentration, dem "Wegblenden
aller anderen Einflüsse" bei der Arbeit mit dem
Metalldetektor und der Minensuchnadel meinte
Verdienter Applaus
Im letzten Kurs wurde schließlich das große MgM-Minensuch-Spiel
ausgerollt. Noch einmal wurden die sozio-ökonomischen
Zusammenhänge der humanitären Minenräumung
greifbar. Krankenhäuser, Wasserstellen und Schulen werden
nach der Minenräumung wieder verreichbar, das Leben kehrt
zurück in die verlassenen Todeszonen eines Nachkriegs-Szenarios.
Dazu spielte im Klassenzimmer afrikanische Musik
Dann wurde entschieden, wie bei der Präsentation am Abend
vor den Eltern, Lehrern und Schülern die Arbeit der Gruppe
dargestellt werden kann: die wichtigsten Fakten, Zahlen zur
Minenproblematik und aber auch die Lösungswege. Kurz
und knackig. Jeder Kursteilnehmer formulierte eine Kernaussage.
Dazu große Fotos aus MgM-Minenräumoperationen,
das Minensuch-Spiel, ein Schüler mit Detektor und im
Mineräumer-Outfit.
Die "Schulwege-ohne-Minen"-Schülergruppe bekam
am Abend vor der voll besetzten großen Aula viel Applaus.
Die bei dieser Veranstaltung zustandegekommenen Spenden werden
jetzt in Afrika zum Räumen von Straßen und Schulwegen
eingesetzt.
Danach wurde noch die halbe Nacht mit Live-Musik gefeiert.
Eine Welt
Party machen gehört immer und überall
dazu!
Freie Waldorfschule Würzburg
Oberer Neubergweg 14 | D-97074 Würzburg
Tel.: 0931 7 96 55-0 | Fax: 0931 7 96 55-40
www.waldorfschule-wuerzburg.de
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